Bevor Sie Geld für Vermutungen ausgeben, lohnt sich ein Blick in die eigene Grundleitung. Eine Kanalinspektion besteht aus drei aufeinander abgestimmten Schritten: Reinigung, Kamerabefahrung und, falls erforderlich, Dichtheitsprüfung. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie sich als Eigentümer gut vorbereiten, was bei der TV-Inspektion passiert und wie Sie ein Protokoll nach DIN EN 13508-2 richtig deuten.
Wann eine Kanalinspektion sinnvoll ist
Eine Kanalinspektion untersucht die Entwässerung eines Grundstücks von innen. Für Hausbesitzer ist vor allem die Grundleitung interessant. Sie liegt unter der Bodenplatte oder im Erdreich und leitet das Abwasser vom Haus bis zum öffentlichen Kanal. Diese Strecke fällt in Ihre Verantwortung als Eigentümer, und gerade sie bekommen Sie im Alltag nie zu sehen. Bis wohin Ihre Zuständigkeit reicht, legt die Abwassersatzung Ihrer Gemeinde fest, je nach Satzung bis zum Revisionsschacht oder bis zum Anschluss an den Straßenkanal.
- Verstopfungen, die trotz Reinigung immer wieder an derselben Stelle auftreten
- Mehrere Abläufe gluckern gleichzeitig oder laufen nur langsam ab
- Feuchte im Kellermauerwerk oder abgesacktes Pflaster über dem Leitungsverlauf
- Hauskauf: Leitungszustand klären, bevor der Vertrag unterschrieben wird
- Anbau, neue Pflasterung oder Sanierungsarbeiten oberhalb der Leitung sind geplant
- Die Gemeinde oder der Abwasserbetrieb fordert eine Untersuchung
In den älteren Siedlungen rund um Hanerau-Hademarschen findet man oft noch Steinzeug- oder Betonrohre mit Muffenverbindungen. Über die Jahre bewegen sich Boden und Rohr, die Verbindungen verrutschen geringfügig, und Wurzeln von Hecken und Bäumen finden die feuchten Fugen. Oberirdisch bleibt das lange unbemerkt. Irgendwann staut sich das Wasser, es wird gespült, und ein paar Monate später tritt der Stau erneut auf. Die Kamerabefahrung zeigt, ob eine Ablagerung, eine versetzte Muffe oder ein Riss die Ursache ist.
Taucht das Hindernis nach jeder Spülung an derselben Meterangabe wieder auf, liegt die Ursache meist im Rohr selbst und nicht im Abwasser.
Reinigung, Befahrung und Dichtheitsprüfung: drei verschiedene Arbeitsschritte
Diese drei Begriffe werden gern in einen Topf geworfen. Tatsächlich stehen sie für eigenständige Arbeitsschritte mit jeweils eigenem Ergebnis, die in der Praxis nacheinander ablaufen. Am Anfang steht die Reinigung, denn ohne freie Leitung sieht die Kamera kaum etwas. Danach kommt die TV-/Kamera-Inspektion, die Schäden zeigt und metergenau zuordnet. Die Dichtheitsprüfung klärt dagegen eine andere Frage: Ist die Leitung insgesamt dicht? Sie ist vor allem dann gefragt, wenn eine Satzung oder eine Behörde sie verlangt.
Was welcher Arbeitsschritt leistet
| Baustein | Wozu er dient | Was am Ende vorliegt |
|---|---|---|
| Reinigung (Hochdruckspülung, bei Bedarf Fräse) | Fett, Ablagerungen und Wurzeln entfernen, Querschnitt freilegen | Freie Leitung und erste Hinweise auf Problemstellen |
| TV-/Kamera-Inspektion | Zustand sichtbar machen und Schäden genau verorten | Video, Fotos und Befundprotokoll mit Meterangaben |
| Ortung (optional) | Lage und Tiefe der Leitung an der Oberfläche bestimmen | Markierungen und Lageskizze |
| Dichtheitsprüfung | Nachweis, dass kein Abwasser austritt oder Grundwasser eindringt | Prüfprotokoll mit Verfahren und Ergebnis |
Gängige Abfolge: zuerst reinigen, anschließend befahren, danach bei Bedarf prüfen.
Hören Sie vom Techniker das Wort Verjüngung, ist eine Stelle gemeint, an der der freie Querschnitt kleiner ausfällt als vorgesehen. Dahinter können zwei völlig unterschiedliche Ursachen stecken. Zum einen Ablagerungen wie Fett oder Urinstein, die man entfernen kann. Zum anderen eine bauliche Verengung, zum Beispiel durch einen hineinragenden Anschluss. Welche Variante vorliegt, lässt sich verlässlich erst nach der Reinigung sagen.
Schritt für Schritt: So bereiten Sie die Kanalinspektion vor
Ein wenig Vorarbeit sorgt dafür, dass der Termin ohne Verzögerung abläuft und das Ergebnis lückenlos ausfällt. Am besten erledigen Sie die folgenden Punkte einige Tage im Voraus.
Fünf Schritte für einen gut vorbereiteten Termin
- Unterlagen zur Entwässerung bereitlegenNehmen Sie den Entwässerungsplan oder die Bauakte zur Hand. Ist kein Plan vorhanden, lohnt eine Nachfrage bei der Amtsverwaltung oder beim Bauamt. Selbst eine einfache Skizze mit Schächten und Fallrohren verkürzt die Suche vor Ort.
- Zugänge ausfindig machen und freilegenPrüfen Sie, wo sich Revisionsschacht, Reinigungsöffnungen im Keller und Kontrollschächte im Garten befinden. Schaffen Sie Pflanzkübel, Holzstapel oder Kies beiseite und probieren Sie, ob sich die Deckel anheben lassen. Klemmende Deckel teilen Sie vorher mit.
- Beschwerden festhaltenSchreiben Sie auf, welche Abläufe betroffen sind, seit wann das so ist und wann es gluckert oder riecht. Vermerken Sie auch, was schon versucht wurde. Fotos von Wasserflecken oder abgesacktem Pflaster erleichtern die gezielte Suche.
- Während der Befahrung kein Wasser nutzenSagen Sie allen Bewohnern und Mietern Bescheid: Solange die Kamera im Rohr ist, bitte keine Toilettenspülung, keine Dusche, keine Wasch- oder Spülmaschine. Nachfließendes Wasser verschlechtert das Bild und kann Schäden überdecken.
- Dabeibleiben und Ergebnisse sichernSchauen Sie die Befahrung am Monitor mit und stellen Sie bei auffälligen Stellen gleich Ihre Fragen. Lassen Sie sich Video, Fotos und Protokoll digital übergeben und vereinbaren Sie, bis wann die schriftliche Auswertung kommt.
Ein Punkt, den Sie besser vermeiden: vorher chemischen Rohrreiniger in die Leitung gießen, um sie „schon mal frei zu bekommen“. Gegen Wurzeln und harte Ablagerungen in der Grundleitung richten solche Mittel nichts aus. Ältere Dichtungen können sie hingegen schädigen, und bei der späteren Spülung stellen sie ein überflüssiges Risiko dar.
So läuft die Kamerabefahrung ab
Vor Ort sucht der Techniker als Erstes den geeigneten Zugang aus. Beim Einfamilienhaus ist das in der Regel eine Reinigungsöffnung im Keller oder ein Revisionsschacht vor dem Gebäude. Gibt es keines von beiden, wird ein WC demontiert oder ein Bodenablauf verwendet. Ist die Leitung verschmutzt, wird sie vorab gespült, anschließend geht die Kamera ins Rohr. Ein Meterzähler am Kabel zeigt die gefahrene Strecke im Bild an, damit jeder Befund exakt verortet werden kann. An Abzweigen ermöglicht ein schwenkbarer Kamerakopf, auch seitliche Einläufe zu begutachten.
Welche Kamera passt zu welcher Leitung?
Schiebekamera
- Wird von Hand über ein steifes Kabel ins Rohr geschoben
- Je nach Kamerakopf für kleinere Nennweiten ab etwa DN 25–50
- Bewältigt Bögen im Hausbereich
- Üblich für Fallrohre, Anschlussleitungen und Grundleitungen vom Haus aus
Fahrwagenkamera
- Kamera ist auf einem ferngesteuerten Fahrwagen montiert
- Für größere Nennweiten und längere, gerade Strecken
- Wird meist vom Schacht aus eingesetzt
- Teilweise mit schwenkbarem Kopf und zusätzlichen Messfunktionen
Zahlreiche Kameraköpfe sind mit einem kleinen Sender ausgestattet. Mit einem Ortungsgerät kann man dann von oben bestimmen, wo sich die Kamera befindet und wie tief die Leitung verläuft. Steht später eine Reparatur an, wird gezielt an der Schadstelle geöffnet, statt einen langen Graben zu ziehen.
Rohrkamera in Eigenregie: Möglichkeiten und Grenzen
Handelsübliche Endoskopkameras genügen für einen ersten Blick in Siphon, Bodenablauf oder einen kurzen Abschnitt Fallrohr. In der Grundleitung kommen sie schnell an ihre Grenzen. Das Kabel ist in der Regel zu kurz und zu biegsam, um es durch Bögen und über Muffen zu schieben. Ortung und zuverlässige Meterangabe fehlen, und die Bilder sind nicht normgerecht kodiert. Verhakt sich der Kopf in einem Bogen, wird das Herausholen mühsam. Gegenüber Behörde oder Käufer gelten solche Aufnahmen meist nicht als Nachweis.
Das Inspektionsprotokoll nach DIN EN 13508-2 lesen
Eine fachgerechte Kanal-TV-Untersuchung liefert Ihnen mehr als ein Video, nämlich ein strukturiertes Protokoll. Maßgeblich dafür ist die DIN EN 13508-2. Sie definiert ein einheitliches Kodiersystem für die optische Inspektion. Jedem Befund werden ein Buchstabencode und eine Meterangabe ab dem Startpunkt zugeordnet. Wo es darauf ankommt, wird zusätzlich die Position am Rohrumfang notiert, beschrieben wie auf einem Zifferblatt. So kann ein anderer Fachbetrieb oder ein Sachverständiger das Protokoll nachvollziehen, ohne erneut befahren zu müssen.
- Stammdaten: Adresse, Datum, Leitungsabschnitt mit Anfangs- und Endpunkt, Durchmesser, Material
- Video der vollständigen Befahrung mit eingeblendeter Meterangabe
- Einzelbilder der Befunde
- Befundliste mit Codes und Positionen
- Lageskizze der untersuchten Leitungen
Häufige Codes im Protokoll
| Code (Beispiel) | Bedeutung | Was das für Sie heißen kann |
|---|---|---|
| BAB | Riss | Je nach Ausprägung beobachten oder sanieren |
| BAJ | Verschobene Verbindung | Ansatzpunkt für Wurzeln und Ablagerungen |
| BBA | Wurzeln | Fräsen, danach Eintrittsstelle bewerten |
| BBC | Ablagerungen | Reinigen, bei Wiederkehr Ursache wie Gefälle prüfen |
| BBF | Infiltration (eindringendes Wasser) | Hinweis auf Undichtigkeit, Prüfung oder Sanierung erwägen |
Ausschnitt; die Norm umfasst wesentlich mehr Codes und Zusatzangaben.
Die DIN EN 13508-2 hält fest, was zu sehen ist, sagt aber nichts über die Dringlichkeit. Für die Bewertung gibt es ein gesondertes Regelwerk, hierzulande oft das DWA-Merkblatt M 149-3 mit seinen Zustandsklassen. Ein feiner Haarriss in einem ansonsten intakten Rohr ist anders zu beurteilen als ein Riss mit Wassereintritt direkt neben einer verrutschten Muffe. Bitten Sie deshalb um eine verständliche Erklärung, was bald erledigt werden sollte und was sich zunächst beobachten lässt.
Dichtheitsprüfung: Wann sie gefordert ist und wie sie abläuft
Die Kamera erfasst, was man sehen kann. Feine Undichtigkeiten an Muffen erkennt sie jedoch nicht immer. Genau dafür gibt es die Dichtheitsprüfung. Bei bestehenden privaten Abwasserleitungen gilt DIN 1986-30, bei neu verlegten Leitungen DIN EN 1610. Zuvor wird die Leitung gereinigt und in der Regel befahren. Dadurch steht fest, welcher Abschnitt geprüft wird, und Ablagerungen können das Ergebnis nicht verfälschen.
Mit Wasser, mit Luft oder optisch
Bei der Wasserprüfung wird der Abschnitt mit Absperrblasen abgedichtet und befüllt. Anschließend wird über einen festgelegten Zeitraum ermittelt, wie viel Wasser nachgegeben werden muss. Bei der Luftprüfung wird ein Überdruck erzeugt und beobachtet, wie stark er abfällt. Welche Grenzwerte und Prüfzeiten gelten, bestimmt die jeweilige Norm. Für häusliches Abwasser akzeptiert das Regelwerk unter bestimmten Voraussetzungen auch eine optische Inspektion als Nachweis. In Wasserschutzgebieten oder bei gewerblichem Abwasser ist in der Regel eine Druckprüfung vorgeschrieben.
Besteht in Schleswig-Holstein eine Prüfpflicht?
Eine landesweit einheitliche Frist für alle Bestandsleitungen existiert nicht. Ob eine Dichtheitsprüfung nötig ist, hängt in erster Linie von der Abwassersatzung Ihrer Gemeinde und von Vorgaben in Wasserschutzgebieten ab. Auch ein Neubau oder Umbau kann sie erforderlich machen. Im Zweifel hilft eine Anfrage beim zuständigen Abwasserbetrieb. Klären Sie bei der Auftragsvergabe zudem, wer prüft und ob das Protokoll dort anerkannt wird. Auch ohne Verpflichtung empfiehlt sich eine Prüfung in diesen Situationen:
- Im Protokoll sind Infiltration oder eingewachsene Wurzeln vermerkt
- Die Kellerwände entlang der Leitung bleiben dauerhaft feucht
- Nach einer Sanierung soll die Dichtheit nachgewiesen werden
- Ein Käufer oder Sachverständiger möchte ein Prüfprotokoll sehen, das als Nachweis anerkannt wird
Kosten und Auftrag in Hanerau-Hademarschen
Die Kosten einer Kanalinspektion lassen sich erst beziffern, wenn die Ausgangslage klar ist. Nützlicher ist es, die Faktoren zu kennen, die den Aufwand bestimmen:
- Länge und Zahl der zu befahrenden Leitungsabschnitte
- Zugang: vorhandener Revisionsschacht oder Einstieg nur über ein demontiertes WC
- Reinigungsaufwand im Vorfeld, zum Beispiel bei Wurzeln oder hartem Fett
- Ortung und Lageskizze, falls kein Entwässerungsplan vorliegt
- Umfang der Dokumentation und gegebenenfalls eine Dichtheitsprüfung
- Geplanter Termin oder kurzfristiger Einsatz außerhalb der üblichen Arbeitszeiten
Damit das Angebot belastbar wird, sprechen Sie am Telefon am besten folgende Fragen an: Gehört die Reinigung dazu, oder wird sie separat berechnet? Wird nur die Grundleitung befahren oder auch die Fallrohre? Erhalten Sie Video und Protokoll nach DIN EN 13508-2, und in welchem Format? Ist die Ortung enthalten? Je präziser Sie Baujahr und Beschwerden beschreiben, desto genauer lässt sich der Bedarf abschätzen.
Ernst Abfluss- und Kanalreinigung UG arbeitet seit 2009 in der Rohr- und Kanaltechnik. Reinigung und Kanal-TV-Untersuchung werden gemeinsam angeboten, Sie brauchen für beide Schritte also keinen zweiten Betrieb. Das Unternehmen wird vom Inhaber geführt, Geschäftsführer Martin Ernst trägt persönlich die fachliche Verantwortung. Ernst Abfluss- und Kanalreinigung UG ist in Hanerau-Hademarschen und Umgebung tätig. Bei einer akuten Verstopfung mit Rückstau ist zuerst der Notdienst gefragt. Die Inspektion samt Auswertung kann anschließend in Ruhe geplant werden.





