Die Aufgabe einer Rückstauklappe ist klar: Abwasser aus dem öffentlichen Kanal soll nicht zurück in den Keller gelangen. Ob sie diese Aufgabe verlässlich erfüllt, hängt weniger vom gekauften Modell ab als vom Einbau. Entscheidend ist zunächst die Rückstauebene. Danach zählen das Gefälle zum Kanal und die Lage, in der die Klappe sitzt. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wann eine Klappe ausreicht und wann eine Abwasserhebeanlage vorgeschrieben ist. Sie lesen außerdem, welche konkreten Vorgaben DIN EN 13564 und DIN 1986-100 machen.
Worauf es ankommt: wie Rückstau entsteht und was die Rückstauebene bedeutet
Abwasserkanäle sind auf gewöhnliche Abflussmengen ausgelegt. Bei Starkregen kann der Pegel im Kanal ansteigen. Dasselbe geschieht, wenn ein Pumpwerk ausfällt oder eine Verstopfung im Straßenkanal den Abfluss behindert. Weil Grundleitung und Kanal miteinander verbunden sind, steigt das Wasser dann auch in der Hausleitung an, bis es an der tiefsten offenen Stelle herauskommt. In den meisten Fällen ist das der Kellerablauf oder die Dusche im Untergeschoss. Dahinter steckt das Prinzip der kommunizierenden Röhren: Der Wasserspiegel gleicht sich überall auf dieselbe Höhe an.
Die Rückstauebene als maßgebliche Höhe
Bis zu welcher Höhe das Wasser im Kanal ansteigen kann, legt die Rückstauebene fest. Meist entspricht sie der Straßenoberkante an der Stelle, an der Ihre Leitung in den Kanal mündet. Die Entwässerungssatzung der Gemeinde darf eine abweichende Höhe bestimmen, zum Beispiel bei Grundstücken am Hang. Alles, was tiefer als diese Ebene liegt und offen an die Grundleitung angeschlossen ist, gilt als rückstaugefährdet. Das betrifft Bodenabläufe, WCs im Keller und Abläufe in Kellertreppen.
Ein gängiger Fall: Der Keller eines Einfamilienhauses liegt rund zwei Meter tiefer als die Straße. Der Kellerablauf befindet sich damit klar unterhalb der Rückstauebene. Möglicherweise ist das Haus jahrzehntelang trocken geblieben. Das heißt allerdings nur, dass der Kanal bislang nie hoch genug gestiegen ist.
Auch ländliche Gemeinden sind betroffen
In ländlichen Gegenden wie Mittelholstein wird das Abwasser oft über Pumpwerke und Druckleitungen zur Kläranlage befördert. Fällt eine Pumpe aus oder ist ein Abschnitt zugesetzt, kann sich das Wasser im vorgelagerten Kanal stauen. Dazu kommt Fremdwasser: Bei anhaltendem Regen dringt es über undichte Schächte oder Fehlanschlüsse in den Schmutzwasserkanal ein. Auch ein reiner Schmutzwasserkanal im Trennsystem bietet daher keinen automatischen Schutz vor Rückstau. Er sorgt lediglich dafür, dass Rückstau seltener auftritt.
Muss ich eine Rückstausicherung einbauen?
Ein bundesweites Gesetz, das jedem Hauseigentümer eine Rückstauklappe vorschreibt, existiert nicht. Die Verpflichtung entsteht auf zwei anderen Wegen. Der erste ist die Entwässerungssatzung der Gemeinde. Darin steht in der Regel eine Klausel, wonach sich der Eigentümer selbst gegen Rückstau aus dem öffentlichen Kanal schützen muss. Der zweite Weg sind die anerkannten Regeln der Technik, vor allem DIN 1986-100. Wer neu baut oder umbaut, ist an sie gebunden.
Das hat eine unangenehme Folge: Ist keine Rückstausicherung vorhanden oder arbeitet sie nicht, haftet der Kanalbetreiber für Rückstauschäden in aller Regel nicht. Die meisten Satzungen schließen das ausdrücklich aus. Auch Versicherungen prüfen genau. Zahlreiche Wohngebäude- und Elementarschadenversicherungen verlangen eine funktionierende und gewartete Rückstausicherung. Ist sie nicht vorhanden, kann die Leistung gekürzt oder ganz abgelehnt werden. Es lohnt sich deshalb, die eigenen Vertragsbedingungen zu kennen, bevor Wasser im Keller steht.
Altbau und Bestandsschutz: wo die Grenzen liegen
In älteren Gebäuden fehlt eine Rückstausicherung häufig ganz, oder es ist nur eine einfache Klappe vorhanden, die den heutigen Anforderungen nicht mehr genügt. Aus baurechtlicher Sicht muss nicht jeder Altbau zwangsläufig nachgerüstet werden. Die Pflicht zum Selbstschutz aus der Satzung besteht jedoch unabhängig vom Baujahr. Wird der Keller anders genutzt, gelten zudem die aktuellen Regeln, beispielsweise beim Ausbau zum Gästezimmer oder zur Einliegerwohnung. Ein Raum mit Bodenbelag und Elektroinstallation ist nicht mehr untergeordnet genutzt. In diesem Fall genügt eine Klappe unter Umständen nicht mehr.
Auch eine Sanierung der Grundleitung ist ein guter Zeitpunkt für eine Prüfung. Wenn der Boden ohnehin geöffnet oder eine Leitung erneuert wird, lässt sich eine Rückstausicherung mit überschaubarem Zusatzaufwand fachgerecht einsetzen. Den fertigen Kellerboden später nur für die Klappe erneut aufzubrechen, kostet erheblich mehr Aufwand.
Welche Normen gelten: DIN EN 13564, DIN EN 12056, DIN 1986-100 und DIN EN 752
Sobald man sich mit Rückstauschutz befasst, begegnen einem gleich mehrere Normen. DIN EN 13564 regelt das Bauteil selbst, DIN 1986-100 die Frage, wann und wo es eingesetzt werden darf. Als Hausbesitzer reicht es, die jeweiligen Aufgaben zu kennen. Die Umsetzung im Detail übernimmt der Fachbetrieb.
DIN EN 752: Entwässerung außerhalb des Gebäudes
DIN EN 752 befasst sich mit Entwässerungssystemen außerhalb von Gebäuden, also mit den Leitungen auf dem Grundstück und dem öffentlichen Kanalnetz. Für Eigentümer zählt vor allem ein Grundsatz: Kein Kanalnetz lässt sich für jedes mögliche Regenereignis bemessen. Ein bestimmtes Maß an Überstau ist in der Planung bewusst eingerechnet. Aus diesem Grund ist der Schutz des einzelnen Hauses Sache des Eigentümers und nicht des Kanalbetreibers.
DIN EN 12056: Schwerkraftentwässerung innerhalb des Gebäudes
Die Normenreihe DIN EN 12056 behandelt die Schwerkraftentwässerung in Gebäuden. Sie regelt unter anderem Bemessung und Belüftung der Leitungen. Teil 4 widmet sich den Abwasserhebeanlagen. Dort ist unter anderem festgelegt, dass die Druckleitung oberhalb der Rückstauebene verlaufen muss. Diese sogenannte Rückstauschleife verhindert, dass Kanalwasser über die Druckleitung zurückfließt.
DIN 1986-100: die nationalen Planungsregeln
Die europäischen Normen lassen absichtlich Raum für nationale Bestimmungen. In Deutschland übernimmt diese Rolle DIN 1986-100. Sie ergänzt DIN EN 12056 und DIN EN 752 und regelt, wann eine Abwasserhebeanlage vorgeschrieben ist und wann ausnahmsweise ein Rückstauverschluss ausreicht. Außerdem legt sie fest, welcher Typ für welche Abwasserart geeignet ist. In der Praxis ist sie die bedeutendste dieser Normen, weil sie allgemeine Anforderungen in konkrete Entscheidungen übersetzt.
DIN EN 13564: Anforderungen an das Bauteil
DIN EN 13564 ist eine Produktnorm für Rückstauverschlüsse in Gebäuden. Teil 1 ordnet die Verschlüsse nach Bauart und Einsatzbereich ein und definiert die Anforderungen. Die übrigen Teile behandeln Prüfverfahren und Qualitätssicherung. Ein normgerecht hergestellter Verschluss ist mit einer Typangabe gekennzeichnet. Ob er in Ihrem Keller eingesetzt werden darf, klärt die Produktnorm jedoch nicht. Darüber entscheiden DIN 1986-100 und die örtliche Satzung gemeinsam.
Fehlt auf dem Gehäuse eine Typangabe nach DIN EN 13564, lässt sich nicht nachweisen, dass der Verschluss die Anforderungen der Norm erfüllt.
Welche Rückstauklappen und Rückstausicherungssysteme es gibt
Umgangssprachlich fasst man unter Rückstauklappe ganz verschiedene Geräte zusammen. Worauf es bei der Auswahl ankommt, lässt sich auf drei Fragen eingrenzen. Erstens: Handelt es sich um fäkalienfreies oder fäkalienhaltiges Abwasser? Zweitens: Ist ein natürliches Gefälle zum Kanal vorhanden? Drittens: Soll die Ablaufstelle auch bei Rückstau benutzbar bleiben? Fehlt das Gefälle oder soll der Ablauf bei Rückstau nutzbar bleiben, führt der Weg zur Abwasserhebeanlage.
Mechanische Rückstauklappe (klassischer Rückstauverschluss)
Der klassische Rückstauverschluss wird in eine durchgehende, waagerechte Rohrleitung eingesetzt. Im normalen Betrieb öffnet das abfließende Wasser die Klappe. Drückt Wasser aus Richtung Kanal zurück, wird die Klappe gegen den Dichtsitz gepresst, bei vielen Modellen unterstützt durch einen Schwimmkörper. Ergänzend gibt es einen Notverschluss, den man von Hand schließen kann, etwa bei angekündigtem Starkregen oder wenn die automatische Klappe durch Verschmutzung nicht mehr dicht schließt. Der in der Praxis verbreitete Typ 2 verfügt über zwei selbsttätige Verschlüsse und einen Notverschluss. Mechanische Varianten sind ausschließlich für fäkalienfreies Abwasser gedacht, also für Waschmaschine, Waschbecken oder Bodenablauf.
Elektronischer Rückstauverschluss Typ 3
Typ 3 nutzt Fremdenergie: Ein Sensor registriert ansteigendes Wasser, worauf ein Motor den Verschluss aktiv schließt. Hinzu kommen ein separat bedienbarer Notverschluss und in der Regel ein Warnsignal. Modelle mit der Kennzeichnung F eignen sich für fäkalienhaltiges Abwasser. Sie kommen damit auch für ein WC im Untergeschoss infrage, sofern die Bedingungen der DIN 1986-100 erfüllt sind. Da die Technik auf Strom angewiesen ist, gehört eine Pufferbatterie dazu. Stromausfälle fallen häufig mit Starkregen zusammen.
Bodenabläufe mit eingebautem Rückstauverschluss
Für einzelne Abläufe im Keller sind Bodenabläufe mit integriertem Rückstauverschluss erhältlich. Die Norm behandelt sie als eigene Typen. Allerdings sichern sie ausschließlich diesen einen Ablauf ab. Bei Bestandsaufnahmen findet man häufig einen geschützten Bodenablauf, während Waschmaschine und Waschbecken ungeschützt an derselben Grundleitung angeschlossen sind. Kommt es zum Rückstau, tritt das Wasser genau dort aus.
Abwasserhebeanlage mit Rückstauschleife
Nach DIN 1986-100 ist die Abwasserhebeanlage die Standardlösung. Das Abwasser aus dem Keller fließt in einen Sammelbehälter. Von dort pumpt es eine Pumpe durch eine Druckleitung, die in einer Schleife über die Rückstauebene verläuft, und erst danach gelangt es zum Kanal. Steigt der Pegel im Kanal, kann das Wasser die Schleife nicht rückwärts überwinden. Der entscheidende Vorteil: Die Abläufe im Keller lassen sich auch während eines Rückstaus weiter benutzen. Ist kein Gefälle zum Kanal vorhanden, bleibt die Hebeanlage die einzige zulässige Option.
Rückstauverschlüsse nach DIN EN 13564-1 im Vergleich
| Typ | Bauart | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| Typ 0 | Einfache Bauart für waagerechte Leitungen mit einem selbsttätigen Verschluss, ohne Notverschluss | Für Ablaufstellen im Gebäude nur in eng begrenzten Sonderfällen |
| Typ 1 | Einfache Bauart für waagerechte Leitungen mit einem selbsttätigen Verschluss plus Notverschluss | Für Ablaufstellen im Gebäude nur in eng begrenzten Sonderfällen |
| Typ 2 | Zwei selbsttätige Verschlüsse und ein Notverschluss, der mit einem selbsttätigen Verschluss kombiniert sein kann | Fäkalienfreies Abwasser, z. B. Waschmaschine, Waschbecken, Bodenablauf |
| Typ 3 | Selbsttätiger Verschluss mit Fremdenergie (Sensor, Motor) und unabhängigem Notverschluss | Fäkalienfreies Abwasser; mit Kennzeichnung F auch fäkalienhaltiges Abwasser |
| Typ 4 / Typ 5 | In Bodenabläufe integrierte Rückstauverschlüsse | Einzelne Bodenabläufe mit fäkalienfreiem Abwasser |
Vereinfachte Übersicht. Verbindlich sind die Norm, die Angaben des Herstellers und DIN 1986-100.
Rückstauverschluss oder Abwasserhebeanlage?
Rückstauverschluss
- Nur bei natürlichem Gefälle zum Kanal zulässig
- Während des Rückstaus ist die Ablaufstelle gesperrt
- Nur für untergeordnet genutzte Räume
- Typ 2 kommt vollständig ohne Strom aus
- Muss regelmäßig von Fachkundigen gewartet werden
Abwasserhebeanlage
- Standardlösung nach DIN 1986-100
- Abläufe bleiben auch bei Rückstau benutzbar
- Funktioniert auch ohne Gefälle zum Kanal
- Passend für Wohnräume und hochwertige Nutzung
- Benötigt Strom, Platz und regelmäßige Wartung
Welche Voraussetzungen der Einbau erfüllen muss
Laut DIN 1986-100 darf ein Rückstauverschluss eine Abwasserhebeanlage nur dann ersetzen, wenn mehrere Bedingungen zugleich vorliegen. Ist auch nur eine davon nicht erfüllt, ist die Klappe ungeeignet, ganz gleich, wie hochwertig sie verarbeitet ist.
- Von der Ablaufstelle zum öffentlichen Kanal besteht ein natürliches Gefälle.
- Die Räume werden untergeordnet genutzt: Dort lagern keine nennenswerten Sachwerte, und ein Rückstau stellt keine Gefahr für die Gesundheit der Bewohner dar.
- Nur ein kleiner Personenkreis nutzt die Räume, und oberhalb der Rückstauebene ist ein WC vorhanden.
- Während eines Rückstaus kann man auf die Nutzung der Ablaufstelle verzichten.
Gefälle zum Kanal? So finden Sie es heraus
Natürliches Gefälle heißt: Die tiefste Ablaufstelle im Keller befindet sich höher als der Kanal, sodass das Abwasser ohne Pumpe abläuft. Bei Häusern mit flachem Keller trifft das oft zu. Liegt der Keller deutlich unter dem Straßenniveau, dagegen häufig nicht. Hinweise geben der Entwässerungsplan in der Bauakte, Angaben des Abwasserbetriebs zur Kanaltiefe und die Höhen im eigenen Kontrollschacht. Eine Kanal-TV-Untersuchung macht außerdem sichtbar, wie die Grundleitung tatsächlich verläuft. Die Pläne aus der Bauzeit decken sich nicht immer mit der Wirklichkeit.
Nur Abläufe unterhalb der Rückstauebene anschließen
Ein verbreiteter Fehler mit ernsten Folgen: Die Klappe wird so in die Grundleitung gesetzt, dass auch das Abwasser aus Erd- und Obergeschoss durch sie hindurchläuft. Schließt sie bei Rückstau, findet dieses Wasser keinen Abfluss mehr. Es staut sich vor der Klappe und kommt an der tiefsten Stelle heraus, also im eigenen Keller. Das Gebäude läuft dann mit dem eigenen Abwasser voll, obwohl die Klappe tadellos arbeitet. Richtig ist es, ausschließlich die Leitungen der gefährdeten Abläufe über den Verschluss zu führen. Alles, was oberhalb der Rückstauebene anfällt, muss separat und mit freiem Gefälle am Verschluss vorbeigeführt werden.
Regenwasser eigens betrachten
Eine Besonderheit ist Regenwasser von Flächen unterhalb der Rückstauebene, zum Beispiel aus einem Kellerabgang oder einer abgesenkten Zufahrt. Rückstau entsteht in der Regel gerade dann, wenn es heftig regnet. Ist die Klappe in diesem Moment geschlossen, sammelt sich das Regenwasser im Kellerabgang und dringt durch die Tür ins Gebäude. Für solche Flächen schreibt DIN 1986-100 grundsätzlich eine Hebeanlage vor. Ob bei einer kleinen Fläche eine Ausnahme möglich ist, sollte ein Fachbetrieb im konkreten Fall beurteilen.
Zugänglichkeit und Leitungszustand
Ein Rückstauverschluss muss regelmäßig gewartet werden, und dafür muss er erreichbar sein. Der Revisionsdeckel darf nicht verbaut werden. Überflieste oder einbetonierte Klappen führen auf Dauer zu Problemen. Zudem sollte die Leitung, in die der Verschluss kommt, unbeschädigt sein. Befindet sich zwischen Klappe und Kanal ein gerissenes Rohr, kann Rückstauwasser dennoch ins Erdreich unter dem Haus gelangen. Durchwurzelte oder verkrustete Leitungen spülen außerdem Schmutz an die Dichtflächen, sodass die Klappe nicht mehr einwandfrei schließt.
Senkrechter Einbau: Warum die Klappe eine waagerechte Lage braucht
Ein häufiges Szenario in Bestandsbauten: Die Waschmaschine pumpt in ein Standrohr an der Kellerwand, das senkrecht in die Grundleitung mündet. Naheliegend scheint, die Rückstauklappe einfach in dieses senkrechte Rohr zu setzen. Bei den üblichen Rückstauverschlüssen für den Rohreinbau nach DIN EN 13564 ist das jedoch nicht vorgesehen. Sie sind für waagerechte, durchgehende Leitungen gebaut.
Welche technischen Gründe dagegen sprechen
Eine mechanische Rückstauklappe funktioniert über Schwerkraft und Auftrieb. In waagerechter Lage hat sie eine festgelegte Ruheposition. Das ablaufende Wasser hebt sie etwas an, und bei Gegendruck legt sie sich sicher an den Dichtsitz. Im senkrechten Rohr passt diese Geometrie nicht mehr. Je nach Position bleibt die Klappe ständig geschlossen, wodurch sich Abwasser staut. Oder sie hängt offen und schließt bei Rückstau nicht. Auch Schwimmer und Sensoren sind für eine bestimmte Einbaulage ausgelegt. Schon eine deutliche Neigung kann die Funktion stören. Hersteller schreiben deshalb meist vor, den Verschluss mit der Wasserwaage auszurichten.
Welche Alternativen es gibt
Kommt die Leitung senkrecht an, passt man die Rohrführung an. Mithilfe von Bögen wird vor oder nach dem senkrechten Abschnitt eine waagerechte Strecke geschaffen, in die der Verschluss eingesetzt wird. Häufig muss dafür der Boden im Bereich der Grundleitung geöffnet und der Verschluss tiefer eingebaut werden, damit das Gefälle der restlichen Leitung bestehen bleibt. Geht es nur um eine einzelne Ablaufstelle, kann ein Bodenablauf mit integriertem Rückstauverschluss die passende Lösung sein. Reicht der Platz für keine der beiden Varianten oder fehlt das Gefälle, führt kein Weg an der Abwasserhebeanlage vorbei.
Für das Standrohr der Waschmaschine heißt das: Fachgerecht ist es, die Klappe im waagerechten Abschnitt der Anschlussleitung zu platzieren. Als Alternative kann die Waschmaschine über eine kleine Hebeanlage für fäkalienfreies Abwasser oberhalb der Rückstauebene entwässert werden. Welche Lösung geeignet ist, hängt vom Leitungsverlauf und vom verfügbaren Platz ab.
Einbau, Nachrüstung und Wartung: wie Fachbetriebe arbeiten
Die meisten Fehler entstehen bei der Systemauswahl und der Entscheidung, welche Leitungen angeschlossen werden. Eine fachgerechte Nachrüstung verläuft üblicherweise so:
Rückstausicherung nachrüsten: die Schritte im Überblick
- Rückstauebene und Abläufe ermittelnDie Rückstauebene wird anhand der Satzung bzw. der Straßenhöhe am Anschlusspunkt festgelegt. Mit einem Nivelliergerät werden die Höhen aller Kellerabläufe im Verhältnis dazu gemessen. So entsteht eine Aufstellung sämtlicher gefährdeter Ablaufstellen, zudem wird die Kellernutzung bewertet.
- Grundleitung spülen und per Kanal-TV untersuchenDie Leitung wird gereinigt und mit der Kamera befahren. Dabei werden der Verlauf ermittelt, das Gefälle bewertet und Schäden festgehalten. Zugleich wird erkennbar, an welchen Stellen Leitungen aus den oberen Geschossen in die Grundleitung einmünden.
- System auswählen und Leitungen trennenAuf Grundlage von DIN 1986-100 wird zwischen Typ 2, Typ 3 mit Kennzeichnung F, Bodenablauf mit Verschluss oder Abwasserhebeanlage entschieden. Falls nötig, werden die Leitungen aus den oberen Geschossen so verlegt, dass sie den Verschluss umgehen.
- Verschluss waagerecht montierenDer Boden wird aufgenommen, das Rohr freigelegt und ein passendes Teilstück entfernt. Anschließend wird der Verschluss in Fließrichtung (Pfeil am Gehäuse) eingebaut, mit der Wasserwaage ausgerichtet und über geeignete Übergangsstücke dicht verbunden. Der Revisionsdeckel bleibt erreichbar.
- Testen, dokumentieren, einweisenDanach erfolgen eine Funktionsprobe mit Wasser, ein Test des Notverschlusses und eine Dichtheitsprüfung. Anschließend wird der Boden so verschlossen, dass der Deckel zugänglich bleibt. Zum Schluss folgen eine Einweisung in die Bedienung und ein Wartungsplan.
Die Grenzen der Eigenleistung
Das Einsetzen einer Klappe erscheint handwerklich machbar, und Rückstauverschlüsse sind frei im Handel erhältlich. Das eigentliche Risiko steckt jedoch an anderer Stelle. Wer etwa die Leitungen aus den oberen Geschossen mit über die Klappe führt, setzt bei Rückstau den eigenen Keller mit dem eigenen Abwasser unter Wasser. Die Anlage richtet dann im Ernstfall Schaden an, statt zu schützen. Dazu kommen Eingriffe in die Grundleitung, die bei Fehlern Undichtigkeiten unter der Bodenplatte verursachen können. Im Schadensfall will die Versicherung außerdem einen fachgerechten Einbau und einen Wartungsnachweis sehen. Die regelmäßige Kontrolle können Sie gut selbst übernehmen. Planung und Montage sollten Sie einem Fachbetrieb überlassen.
Wartung: was Ihre Aufgabe ist und was der Fachbetrieb erledigt
DIN 1986-3 sieht für Rückstauverschlüsse zwei Stufen vor: eine regelmäßige Inspektion durch den Betreiber, also durch Sie selbst, und eine Wartung durch Fachkundige. Letztere findet in der Regel etwa halbjährlich statt. Dabei werden Gehäuse und Klappen gesäubert, Dichtungen kontrolliert und wenn nötig ersetzt sowie die Funktion geprüft. Bei Typ 3 kommen zusätzlich Sensor, Steuerung und Batterie dazu. Für Abwasserhebeanlagen orientieren sich die Intervalle an DIN EN 12056-4 und an der Nutzung. Im Einfamilienhaus liegen sie meist bei etwa einem Jahr, bei intensiverer Nutzung entsprechend kürzer.
- Den Notverschluss etwa einmal im Monat schließen und wieder öffnen, damit er gängig bleibt
- Durch den Revisionsdeckel kontrollieren, ob sich Fett, Flusen oder Ablagerungen an der Klappe festgesetzt haben
- Bei Typ 3 Warnmeldungen und den Batteriezustand im Blick behalten
- Bei angekündigtem Starkregen den Notverschluss vorsorglich schließen, sofern die Abläufe nicht benötigt werden
- Wartungstermine und Ergebnisse schriftlich dokumentieren, das ist im Schadensfall hilfreich
Wodurch der Aufwand bestimmt wird
Wie umfangreich eine Nachrüstung ausfällt, hängt weniger vom Verschluss an sich ab als von den Rahmenbedingungen. Maßgeblich sind die Tiefe der Grundleitung und der Bodenaufbau. Hinzu kommt die Frage, ob Leitungen aus den oberen Geschossen umverlegt werden müssen. Auch der gewählte Typ spielt eine Rolle. Ein elektronischer Verschluss benötigt einen Stromanschluss, eine Hebeanlage darüber hinaus Platz und eine Druckleitung. Für ein verlässliches Angebot sind Fotos der Kellerabläufe und, sofern vorhanden, der Entwässerungsplan nützlich.
Ernst Abfluss- und Kanalreinigung UG arbeitet seit 2009 in der Rohr- und Kanaltechnik und wird vom Inhaber geführt, die fachliche Verantwortung trägt Geschäftsführer Martin Ernst persönlich. Zum Leistungsspektrum gehören Rohr- und Kanalreinigung sowie Kanal-TV-Untersuchung. Damit lässt sich die Grundleitung vor einer Nachrüstung prüfen, in Hanerau-Hademarschen und der Umgebung.





